Redebeitrag einer von Verdrängung betroffenen Hausgemeinschaft in der KTV

REDEBEITRAG EINES VON VERDRÄNGUNG BETROFFENEN AUF DER „WOHNRAUM FÜR UNS ALLE“-DEMO AM 24.11.18

Hallo, ich bin Mitglied einer ehemaligen Hausgemeinschaft der KTV.
Das Haus wurde gemeinschaftlich seit den frühen 90ern bewohnt.
Was uns im letzten Jahr passiert ist, geschieht hier im Viertel zurzeit ständig und kann jede*n einzelne*n treffen.
Höhere Mieten, Eigentümer*innenwechsel, teure Sanierung verstärken den sozialen Druck auf eingesessene Bewohner und erzeugen Verdrängung.
Wir wollen euch an unseren Erfahrungen teilhaben lassen und gleichzeitig Mut machen sich zu organisieren, solidarisch zu sein und sich zu wehren.

Zuletzt lebten in dem Haus mehrere Generationen zwischen 0 und 45 Jahren. Bis zu 9 Erwachsene und vier Kinder teilten sich Küche, zwei Bäder, Garten und eine X-Box. Das Leben im Haus war mal mehr und mal weniger harmonisch, doch niemals langweilig. Im Haus lebten Ärzte, Künstler, Hartz.4-EmpfängerInnen, Studierende und Angestellte zusammen, teilten Mahlzeiten und alltägliche Freuden, Kummer und die ein oder andere Flasche Bier.

Zur Geschichte
Das Haus war anfangs besetzt.
Dann ist Mitte der 90er ist eine neue Eigentümerin auf den Plan getreten. Von den damaligen Bewohnern wurde ein Mietvertrag ausgehandelt.
Der Verdrängungsprozess begann mit Sanierungen im Haus.
Diese hatten vor allem den Zweck den Verkaufswert des Hauses zu steigern.

Daraufhin folgte logischerweise die für 2008/2009 geplante Entmietung.
Einer der Bewohner, der als Ansprechpartner für die Vermieterung zuständig war, bekam eine bestimmte Geldsumme angeboten, wenn dieser den Auszug aller anderen einleitet.
Dieser Versuch die Hausgemeinschaft zu spalten wurde abgelehnt und gemeinschaftlich mithilfe des Mieterschutzbundes wurde die Entmietung vereitelt.
Daraufhin folgten zähe Verhandlungen und neuer Mietvertrag

Es hat sich gelohnt als Gruppe zusammenzustehen.
Wir waren erfolgreich, weil wir uns professionelle Unterstützung geholt haben.
Wir waren bereit um unser Zuhause zu kämpfen, obwohl es auch unangenehm sein kann.

10 weitere Jahre konnten wir relativ zufrieden und entspannt dort leben.
Leute kamen, Leute gingen. Der Mietvertrag blieb der Gleiche.

Im Sommer 2017 gab es erneut die Information, dass die Vermieterin das Haus veräußern will.
Angebote der Bewohner*innen das Haus selber zu kaufen wurden von der Vermieterin nicht ernst genommen und mehrfach abgelehnt.

Erneut wurde eine Entmietung geplant.
Erneut wurde der Ansprechpartner unter Druck gesetzt.
Erneut wurden Geldsummen angeboten.
Erneut wurde versucht die Hausgemeinschaft mit Geldanreizen zu spalten.

Nach dem Verkauf an eine GmbH des Hauses ging alles ziemlich rasant. Innerhalb eines halben Jahres wurde massiver Druck aufgebaut.
Eine Flut von Abmahnungen mit den skurillsten Forderungen und Anschuldigungen erreichte die Bewohner*Innen.
Nervige Anrufe, Droh-Nachrichten über Messenger.
Androhungen, die Haustür gewaltsam zu öffnen und zum Abschluss eine Räumungsklage setzten unserer Gemeinschaft massiv zu.

So kam es, dass die ersten Mitbewohner*innen aufgrund des Druckes unsicher wurden und schließlich ihren Auszug planten und es auch für die Verbliebenen immer schwerer wurde das Haus zu halten.

Nach zähen monatelangen Verhandungen wurde ein Aufhebungsvertrag geschlossen.
Abfindung gegen Auszug.

Auf die Zahlung dieser Abfindung warten die Mieter*innen noch heute.

Daran könnt ihr sehen, wie wichtig es ist sich gemeinschaftlich zu organisieren, sich solidarisch aufeinander zu beziehen und sich Unterstützung zu holen.

Dieser Kampf geht uns alle an!


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